Luftdichtheit: Das sollten Sie bei Planung und Berechnung beachten

Die Luftdichtheit eines Gebäudes ist für einen guten Wärme- und Feuchteschutz Grundvoraussetzung und wird vom Gesetzgeber bei allen Neubauten gefordert. Die Herstellung eines luftdichten Gebäudes erfordert jedoch eine überlegte Planung und Ausführung.

Ohne weiteres Zutun sind leider nur die wenigsten Schichten eines Bauteils luftdicht. Selbst wenn der Baustoff an sich luftdicht ist, führen winzige Schlitze zwischen Einzelelementen (z.B. bei Mauersteinen, Dämmplatten, Beplankungen, Folien) in der Summe zu einer undichten Ebene.

Glücklicherweise muss nicht jede Schicht eines Bauteils luftdicht sein. In der Regel reicht es, wenn es eine einzige, das gesamte Gebäude umfassende Ebene gibt, die luftdicht ist. Dies kann ein lückenloser Innenputz sein oder – zumeist im Holzbau – eine Folie (z.B. die Dampfbremse) oder eine geeignete Beplankung. In jedem Fall muss sicher gestellt sein, dass auch sämtliche Ecken, Rohr- und Kabeldurchführungen sowie alle Bauteilanschlüsse ebenfalls luftdicht sind. Dies ist eine lästige Mehrarbeit, die aber auf keinen Fall vernachlässigt werden darf! Immerhin bietet der Handel für diesen Zweck jede Menge Klebebänder, vorgeformte Manschetten und Einsätze an.

Nein, keine Werbung, sondern nur drei Beispielprodukte, die zu einem luftdichten Gebäude beitragen. Von links: Haftstarkes und luftdichtes Klebeband zum Abkleben von Stößen und Überlappungen, selbstklebendes Außeneck, Rohrmanschette.

Entgegen häufiger Meinung sind die meisten OSB-Platten wie auch modernes, unverputztes Mauerwerk nicht wirklich luftdicht. Bei OSB-Platten sind jedoch geeignete, entsprechend gekennzeichnete Produkte erhältlich. Beplankungen aus Brettsperrholz oder Gipskartonplatten sind dagegen in der Regel ausreichend luftdicht. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in der Zeitschrift Quadriga Ausgabe 4/2017.

Ein Spezialfall ist eine Zelluloseeinblasdämmung, die aufgrund ihres sehr geringen Strömungswiderstands meist automatisch zu einem luftdichten Bauteil führt oder zumindest erheblich zur Luftdichtheit eines Bauteils beiträgt.

Man darf sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass ein Gebäude jemals zu 100% luftdicht ist. Das muss es auch nicht. Von EnEV, DIN und anderen Regelwerken wird lediglich verlangt, dass die Undichtigkeit einen bestimmten Wert unterschreitet. Die Grenzwerte unterscheiden sich jedoch erheblich, so liegt zwischen EnEV und Passivhausstandard ein Faktor fünf. Kleinste Undichtigkeiten dürfen als „Restleckagen“ im Gebäude verbleiben und haben keinen nennenswerten Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit. Aus genau diesem Grund werden Luftströmungen und Undichtigkeiten auch nicht vom Ubakus berücksichtigt. Sowohl bei der U-Wert-Berechnung als auch beim Feuchteschutz geht der Ubakus davon aus, dass das Bauteil ausreichend luftdicht ist. 

Ein besonderer Fall sind Luftspalte in einer Dämmstofflage. Diese führen nicht unbedingt zu einem undichten Bauteil, ermöglichen aber den Austausch von warmer Luft vor der Dämmung und kalter Luft hinter der Dämmung. Die Dämmstofflage büßt somit einen Teil ihrer Dämmwirkung ein. Sind Luftschlitze nicht zu vermeiden oder im Bestand bereits vorhanden, können diese im Ubakus berücksichtigt werden. Wählen Sie dazu die betroffene Schicht aus und klicken Sie in den Schichteigenschaften auf die Schaltfläche mit dem Dämmstoffdübel. Auf dem sich öffnenden Dialog können Sie die Art der Luftschlitze auswählen, siehe folgende Abbildung. Die Berücksichtigung erfolgt gemäß DIN 6946 bei (und nur bei) der U-Wert-Berechnung. 

Die Berücksichtigung von Luftspalten bei der U-Wert-Berechnung verbirgt sich hinter der Schaltfläche mit dem Dämmstoffdübel.

Die dem Feuchteschutz zugrunde liegende DIN 4108-3 kennt keine Konvektion, deshalb können derartige Luftschlitze beim Feuchteschutz leider nicht berücksichtigt werden.

Um die Auswirkung von größeren Undichtigkeiten eines Bauteils auf den Feuchteschutz zu beurteilen, gibt es jedoch eine einfache Faustregel: Je länger der Luftweg von innen nach außen, umso dramatischer sind die Auswirkungen: Bei einer direkten Verbindung bleibt der Luft kaum Zeit abzukühlen, so dass der Taupunkt nicht unterschritten wird und es zu keinem Tauwasserausfall kommen kann. Strömt die Luft dagegen auf langen Wegen, zum Beispiel entlang der Kaltseite einer Dämmplatte, so kühlt sich die Luft wesentlich stärker ab, der Taupunkt wird unterschritten und die Dämmung nass. Zu einem erheblichen Wärmeverlust kann es natürlich in beiden Fällen kommen.

Links ein kurzer Luftweg entlang eines Deckenbalkens, der die Außenwand durchstößt. Tauwasserausfall ist hier eher unwahrscheinlich. Rechts ein langer Luftweg durch eine undichte Steckdose, hinter der Innendämmung nach oben und unter dem Dach nach außen. Hier ist mit Tauwasserausfall zu rechnen.

Konvektion und Luftströmungen können beim Feuchteschutz also nicht berücksichtigt werden. Die Diffusion von Wasserdampf durch ruhende Luft in Schlitzen und Spalten kann dagegen in die Berechnung eingehen. Dies ist z.B. bei Beplankungen sinnvoll, wenn Bretter oder Leisten mit einem geringen Abstand verlegt wurden, denn die Luftspalte verringern den sd-Wert der Beplankungsebene.

Die Modellierung derartiger Schlitze lohnt sich jedoch nur, wenn sie einen nennenswerten Teil der Oberfläche ausmachen. Ein paar Risse in einer Nut- und Federschalung machen bei der Diffusionsberechnung kaum einen Unterschied – immer unter der Voraussetzung, dass das gesamte Bauteil trotz allem luftdicht ist.

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