Dämmung von Fachwerk

Zu oft wird leider übersehen, dass sich Fachwerkhäuser ganz erheblich von Häusern aus Stein unterscheiden. Eine Wärmedämmung, die auf Mauerwerk gut funktioniert, kann bei einem Fachwerkhaus innerhalb weniger Jahre erheblichen Schaden anrichten. Dieser Artikel soll ein Gespür für die besonderen Eigenschaften des Fachwerks vermitteln und helfen, Bauschäden zu vermeiden.

Bei Fachwerk besonders zu beachten:

  • Holz ist feuchtigkeitsempfindlich. Je höher die Holzfeuchte, umso leichter können Pilze und Insekten das Holz zerstören. Davor gefeit sind nur Tropenhölzer und (weitgehend) das Kernholz der Eiche. Aber schon das Eichen-Splintholz kann Pilzen und Instekten wenig entgegen setzen. Glücklicherweise werden viele Schädlinge erst aktiv, wenn die Holzfeuchte über ca. 20% liegt. Im beheizten Innenraum beträgt die durchschnittliche Holzfeuchte ca. 10%. Wenn sich aber in der Dämmung Wasser ansammelt und die Balken durchfeuchtet, erreicht die Holzfeuchte schnell ideale Bedingungen – ideal für Pilze und Insekten.
  • Holz ist ein natürliches Material. Es quillt und schwindet, je nach Jahreszeit bzw. Feuchtigkeitsgehalt. Trockenheit lässt die Fachwerkbalken schrumpfen, so dass zwischen Ausfachung und Fachwerkbalken Ritze und Spalte entstehen. Bei feuchter Witterung schließen sie sich wieder. Dagegen lässt sich im Übrigen nicht viel tun: Das Versiegeln der Fugen mit Silikon kann durchaus kontraproduktiv sein: Dauerhaft dicht werden sie dadurch nicht. Und irgendwann wird wieder Wasser eindringen, das dann nicht mehr so schnell seinen Weg nach draußen findet.
  • Besonders fatal ist dies bei Sichtfachwerk, insbesondere in Kombination mit einem diffusionsdichten Anstrich, welcher eingedrungenen Schlagregen daran hindert, über die Ausfachung oder Balken abzutrocknen. Ein diffusionsdichter Anstrich hat weder auf Balken noch auf Gefachen etwas zu suchen!
  • Bei einer Außendämmung und fehlender oder ungenügender raumseitiger Luftdichtheitsebene hat die feuchte Raumluft ungehinderten Zutritt zur Dämmung und kann dort kondensieren.

Bei Altbauten grundsätzlich zu beachten:

  • Eine Isolierung sollte nur angebracht werden, wenn die Wand trocken und vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt ist. Ist sie das nicht, wird die Feuchtigkeit im besten Fall vermehrt an der Wandinnenseite verdunsten und dort für ein Tropenklima sorgen. Im schlechtesten Fall werden Dämmung und Balken durchnässt – mit irreparablen Schäden.
  • Tauwasser entsteht in einer Wand nicht nur bei feuchtwarmer Innenluft und besonders kalten Außentemperaturen, sondern auch, wenn sich Temperatur oder Luftfeuchte zeitlich ändern.
  • Durch unvermeidbare Ritzen und Undichtigkeiten in der Luftdichtheitsebene strömt Raumluft in die Dämmung und kondensiert an kalten Stellen. Es muss also grundsätzlich immer mit etwas Tauwasser gerechnet werden, auch wenn die Konstruktion nach Glaser tauwasserfrei ist.

Wie eine geeignete Innen- oder Außendämmung aussehen könnte, beschreiben die folgenden beiden Artikel:

2 Kommentare

  1. Vor einer Außenwand ( Obergeschoß) Porit 240 mm wurde in einem Abstand von 140 mm ein Fachwerk gestellt . Fachwerkauskleidung Leichtlehmbausteine 25×11,5×7,5cm mit Kalkputz.Mit was ist der freie Raum auszufüllen ? Die Schwelle des Fachwerk liegt auf der unteren breiten Wand( Bruchsteinmauerwerk ) auf.Der Abstand Schwelle – Mauerwerk ist durch einen Längsbalken ( wie Schwelle) ausgefüllt.

    Danke Hartwig Haßpacher

  2. Gibt es bereits Vorschläge der Dämmung von Fachwerk zwischen den Stielen, eventuell mit einer Winddichtung auf der Innenseite der Stiele mit Lehm, gleichzeitig die unterschiedlichen Stielstärken ausgleichend sowie einer weiteren raumseitigen Dämmung entweder mit Holzfaserdämmplatten, verputzt mit Lehm und eventuell mit Wandflächenheizung belegt oder mit einer Leichtbaukonstruktion aus Bohlen, beplankt mit OSB (Luftdichtungsebene), gedämmt mit Zellulose sowie Installationsebene und Gipskarton- oder ähnlichem Plattenwerkstoff?
    MfG., v. Spiegel

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