Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten und Lehm: Tauwasser!?

Von vielen Experten wird für die Innendämmung von Altbauten und Fachwerkhäusern die Kombination Holzfaserdämmplatten + Lehm empfohlen. Laut U-Wert-Rechner ist der Feuchteschutz hier aber katastrophal. Warum?

In Kürze: Bei einer Innendämmung muss praktisch immer mit Tauwasser gerechnet werden. Wenn sich das Tauwasser aber nicht vermeiden lässt, sollte es wenigsten 1) gefahrlos von der Dämmung aufgenommen werden und 2) möglichst schnell wieder trocknen. Genau dies möchte man mit den genannten Materialien erreichen. Es wird also Tauwasser entstehen, tatsächlich aber weniger, als der U-Wert-Rechner glaubt.

Warum? Die Hintergründe:

Idealerweise sollte in einem Bauteil niemals Tauwasser entstehen. Um das zu erreichen, muss die Warmseite der Dämmung wesentlich diffusionsdichter sein, als die Kaltseite. Zur Erinnerung: Wasserdampf diffundiert in der Heizperiode von innen nach außen, deshalb muss die Dichtebene immer auf der Innenseite liegen.

Bei einer Außendämmung ist das kein Problem. Bei einer Innendämmung stellt das zu dämmende Bauteil aber bereits einen mehr oder weniger großen Dampfwiderstand dar. Auf der Innenseite müsste deshalb eine Schicht mit einem noch deutlich größeren Dampfwiderstand aufgebracht werden: Eine Dampfsperre müsste her.

Falls doch einmal Feuchtigkeit eindringen sollte, behindert die Dampfsperre aber das Austrocknen des Bauteils; die Folgen können teuer werden. Dass trotz Dampfsperre Feuchtigkeit eindringt, ist sogar sehr wahrscheinlich, denn dies geschieht nicht nur wegen schlampiger Arbeit oder später entstehender Risse, sondern auch durch die sogenannte Flankendiffusion, also durch angrenzende Bauteile.

Wenn sich das Tauwasser aber nicht vermeiden lässt, sollte es wenigsten 1) gefahrlos von der Dämmung aufgenommen werden und 2) möglichst schnell wieder trocknen. Genau dies versucht man, durch Einsatz spezieller Materialien zu erreichen. Auf eine Dampfbremse (oder -sperre) verzichtet man dabei, da sie die Trocknung stark behindern würde.

Die Tauwassermenge laut U-Wert-Rechner scheint aber viel zu groß?

Stimmt. Leider ist der U-Wert-Rechner (noch) nicht in der Lage, die positiven Eigenschaften von Holzfaserdämmplatten und Lehm richtig zu berücksichtigen: Beide Materialien sind kapillar-aktiv, d.h. sie sind in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu verteilen. Dadurch bleibt das zu dämmende Bauteil vergleichsweise trocken und die Verdunstung auf der Wandinnenseite wird verbessert. Die Verteilung des Tauwassers bewirkt außerdem, dass sich die Dampfdruckverhältnisse innerhalb der Dämmung positiv verändern: Je breiter die Tauwasserzone, umso geringer ist die weitere Kondensation. Nach einer bestimmten Zeit stellt sich sogar ein Gleichgewicht ein: Es verdunstet genauso viel Feuchtigkeit, wie in der gleichen Zeit kondensiert. Die Feuchtigkeitsmenge im Bauteil bleibt konstant.

Da der U-Wert-Rechner all diese Effekte nicht berücksichtigt, ist die angegebene Tauwassermenge zu hoch. Für eine genauere Berechnung wären zusätzliche Materialkennwerte und ein aufwändigeres Berechnungsverfahren notwendig.

Fazit

Auch wenn der Tauwasserausfall in der Praxis meist wesentlich geringer ist, als vom U-Wert-Rechner angegeben, sollte man unbedingt Vorsicht walten lassen und sich in jedem Fall an die Empfehlungen der Hersteller halten. Insbesondere sollte man mit der Dämmstärke nicht übertreiben.

Wer es besonders gut (und behaglich) machen will, plant eine Wandheizung im Lehmbett ein.

6 Kommentare

  1. Unter Fachleuten wird beim Thema Innendämmung immer gewarnt und abgeraten. Meine Lösung ist Schaumglas.

    Wandaufbau von innen nach aussen: Lehmputz 20mm, Holzfaserplatten, 50mm Schaumglas, Wärmedämmstein hoher Güte .B. Kalopor, Kalk zement Aussenputz.

    Eine traumhafte Taupunktkurve. Ja,Schaumglas ist teuer, ich komme aber etwas günstiger daran und es ist mir es wert, es in die Praxis umzusetzten.

    viele Grüße
    Jan

  2. also bevor ich mit solchen unausgereiften Hightec-Produkten wie Schaumglas experimentiere, würde ich lieber ganz bei Lehm und Holzfaser bleiben. In der Theorie mag z.B. die Rockwool Aerowool ganz toll seien. In der Praxis nach ein paar Jahren, gibts dann die grossen Überraschungen und Erkennntnisse. Mit Mineralwolle lassen sich gigantische Gewinnmargen erzielen, deshalb können die auch so viel Geld in Werbung, Image und Lobbyarbeit stecken. Das sollte man im Vergleich mit Öko-Dämmstoffen im Kopf behalten…

  3. Schaumglas macht dasselbe, wie eine Metalldampfsperre und hat dasselbe Problem in der Praxis der Flankendiffusion und von Konvektionseinträgen an den ind er Baupraxis schwer zu vermeidenenden Fugen und Shcwachstellen. Deshlab sind kapillar aktive Systeme wesentlich Fehlertoleranter, da die Verteilung der Feuchtigkeit von einer Fehlstelle auf die Fläche erfolgt. Natürlich braucht man nicht zu feuchte Innenraumverhältnisse, da sonst die Verdunstung an den Raum nicht mehr statt finden kann.

    Anregung: Kontaktaufnahme mit http://www.bauklimatik-dresden.de und fragen, ob das statische nicht rechenintensive Rechenverfahren von COND in U-Wert.Net implementiert werden kann, dieses berücksichtigt den kapillaren Wasserfluss ohne Simulation… Ansprechpartner Herr Ruisinger

  4. Frage: Denkmalschutz,Dämmung nur innen möglich.Sichtbares Fachwerk mit 12cm Lehmausfachung.Beabsichtige 6cm Holzfaserplatten zu nutzen.Wollte die lehmausfachung mit einer Lehmsclämme durchfeuchten,die Platten andrücken und an den Fachwerkbalken verschrauben. Muß ich die Holzfaserplatte vornässen? Was ist mit dem Tauwasser zwischen Fachwerk und Holzfaserplatte, dort wo kein Lehm ist? Wandheizung ist für die Decke vorgesehen

  5. Vielen Dank für diese traumhafte Seite. Beim Sanieren meines denkmalgeschützten Hauses eine feine Unterstützung.
    Zu der Frage im letzten Kommentar, falls noch von Interesse: Ich setze gerade in etwa den genannten Wandaufbau auch bei mir um. Ich meine, dass es nicht verkehrt ist, die Platten vorzunässen, bevor man sie an die mit Lehmputz überzogene Fachwerkwand drückt. Denn so perlt das Wasser erst mal gut ab, und ich will ja schließlich einen möglichst idealen Verbund beider Schichten.
    Wo kein Lehm ist, sollte welcher hin! Also vollflächig über tragfähigen Bestand einen klebrigen Lehmputz ziehen. Gutes Gelingen!

  6. Es gibt das System von Unger Diffutherm.
    http://www.unger-diffutherm.de/

    Die haben eine Minerlasiche Dampfbremse entwickelt, die wie eine aktmunsaktive Haut funktioniert.
    Mit diesem Multigrund werden die Holzfaserdämmplatten direkt auf die Außenwand aufgeklebt.
    Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, erst die Außenwand mit ca. 2cm Kalkputz zu begradigen. Und dann das Unger System aufzubauen. Zum Schluß werden die Holzfaserdämmplatten mit Amierungsgewebe & mit bis zu 2cm Kalkputz versehen.
    Durch den Kalkputz wird die Feuchtigkeit sehr gut reguliert.
    Es ist erstaunlich wie sich das Raumklima durch Kalkputz positiv verändert. Die Raumfeuchte sich enorm veändert.

    Unser Bauingenieur hat sein Holzahus mit der Unger Inndämmung versehen.

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